Lokal verwurzelt, international zu Hause

Die über 200-jährige Geschichte von Kustermann hat einen eisernen Kern: Sensen, Strohmesser, Schaufel und Nägel waren die ersten Produkte. Dem Handel mit Eisenwaren folgten knapp 60 Jahre später eine Eisengießerei und eine Stahlbauabteilung, die beim Bau einiger Brücken in München und dem Hauptbahnhof nach 1945 mitwirkte. Kustermann goss auch einen großen Anteil der Münchner Gullydeckel. 1952 wurde die Firma wieder zum reinen Handelsbetrieb für Eisenwaren und Einrichtungskultur. Damals schon legten wir den Grundstein für modernes Leben und Wohnen, im Jahr 2000 rückte der Fokus auf hochwertige Küchen- und Tischkultur. Mit über 70.000 angebotenen Artikeln, darunter viele internationale Produkte, tragen wir nach wie vor den selten gewordenen Titel "Vollsortimenter" und sind das größte deutsche Fachgeschäft seiner Art. Seit über 120 Jahren hat Kustermann seine Heimat am Viktualienmarkt und ist eine feste Größe in der Münchner Innenstadt.

 
 

Mit Hammer und Sense fing es an

1798

erfolgte die Gründung der Eisenwarenhandlung, aus der das heutige Kustermann Fachgeschäft hervorging. Damals diente ein Geschäft am Oberen Anger der Vermarktung von Sensen, Strohmesser, Schaufeln, Nägeln und ähnlichen Produkten, die im kleinen Eisenhammerwerk Griesbauer in Antwort am Chiemsee hergestellt wurden. Franz Seraph Kustermann, dessen Vater Simon Thaddäus nach München gezogen war, ehelichte Therese Griesbauer und heiratete somit in jene Hammerschmiede und den zugehörigen Eisenhandel des Schwiegervaters ein. Die Ehe blieb nicht ohne Kinder und auch nicht ohne berufliche Folgen für Franz Seraph.

1827

gab er die vom Vater Simon übernommene Schuhmacherkonzession ab und widmete sich fortan – wie seine Nachkommen bis in unsere Zeit – den Eisenwaren.

Filialgeschäfte und Eisengießerei

1832

erhielt Franz Seraph eine eigene Konzession als Eisenhändler. Bald darauf übergab ihm der Schwiegervater das Eisenwarengeschäft und das Hammerwerk.

1849

übernahm Max Kustermann, der Sohn von Franz Seraph und Therese Kustermann, das väterliche Geschäft. Sein tatkräftiger Unternehmergeist bewirkte das schnelle Anwachsen der Eisenwarenhandlung, die

1861

diversifizierte. Es wurden Fabrikationsbetriebe gegründet, eine Stahlbauabteilung und eine Eisengießerei, ferner eine beträchtliche Stahlhandelsabteilung und ein Brennstoff-Großhandel. Die Stahlbauabteilung wirkte beim Bau einiger Brücken in München und beim Bau verschiedener Gebäude wie beispielsweise der Stahlkonstruktion des Hauptbahnhofs nach dem Zweiten Weltkrieg mit.

Aus der Eisengießerei, die übrigens durch eine der ersten Dampfmaschinen in München energiebetrieben wurde, stammen zum Teil heute noch erhaltene Friedhofskreuze, Inneneinrichtungen für Ställe, Treppen, gusseiserne Säulen, Öfen etc. Das Fabrikgelände für die Eisengießerei und den Stahlbau wurde an der Rosenheimerstraße mit direkter Gleisverbindung zum nahe gelegenen Ostbahnhof angesiedelt. In dem riesigen, mehrere Hektar großen Gelände standen außerdem die Wohnhäuser für die Familie Kustermann, die Ställe für die Zugpferde und später die Garagen. Nach Auflösung der Fabrikationsbetriebe in der Mitte der Siebziger des 20. Jahrhunderts entstanden auf diesem Gelände Bürogebäude, genannt "Kustermann Park".

Fachgeschäfte für Werkzeuge und Haushalt in Münchens Innenstadt

1873

folgte der Erwerb der Passagenhäuser Rindermarkt 3 und Viktualienmarkt 8. Der Zukauf des Hauses Nr. 4 am Rindermarkt ließ das Geschäft zum heutigen Umfang anwachsen. Das wunderschöne Haus am Viktualienmarkt mit seiner Neu-Renaissance-Fassade aus rotem Marmor wurde im Auftrag von Max Kustermann von dem bekannten Architekten Albert Schmidt erbaut.

1892

errichtete Max, inzwischen Kommerzienrat, an der Karlsstraße ein Einzelhandelsfilialgeschäft mit dem gleichen Sortiment wie im Hauptgeschäft am Viktualienmarkt. Handel und Eisengießerei florierten, und das Unternehmen wuchs unentwegt weiter. Max Kustermann war Neuerungen gegenüber stets aufgeschlossen. Unter den ersten Dutzend Telefonanschlüssen in München war sein Name. In dieser Zeit entstanden auch die ersten Eisenwarenkataloge in Europa, gedruckt und gebunden in der betriebseigenen Werkstätte. Zur Lieferung von Eisen und Brennstoffen unterhielt die Firma Kustermann einenstattlichen Fuhrpark an schweren Rössern, der nach dem Ersten Weltkrieg noch an die 50 Pferde stark war. Daneben wurde früh ein Fuhrpark mit Autos angeschafft, die der selbstbewusste Unternehmer feuerrot lackieren ließ.

Umgestaltung nach dem Krieg

 

Während des Zweiten Weltkrieges wurden sowohl die beiden Ladengeschäfte wie auch das Lagerhaus und die Fabrik viermal von Bomben getroffen und zum Teil vernichtet. Es lag dann an den beiden Junioren, Dr. Franz und Dr. Hubert Kustermann, den Enkelsöhnen von Max Kustermann, in der Zeit des Wiederaufbaus Ladengeschäfte und Fabrikationsbetrieb wieder in eine gute Position zu rücken.

1952

trat Franz Kustermann als ältester Sohn der sechsten Generation in das Unternehmen ein und übernahm nach einigen Jahren die Leitung des Unternehmens. Unter dem Druck der zunehmenden Konzentration in der Wirtschaft wurden die Fabrikationsbetriebe der Eisengießerei, des Stahlbaus sowie des Stahlgroßhandels aufgegeben. Somit wurde die Firma F.S. Kustermann wieder zum reinen Handelsbetrieb für Eisenwaren, Do-it-yourself, Hausrat, Glas, Porzellan, Keramik und Sanitär. Ende des 20. Jahrhunderts verlagerte Franz Kustermann den Schwerpunkt des Fachgeschäftes von den Eisenwaren auf die Tischkultur, ohne jedoch vom Grundsatz des"Vollsortimenters" abzukommen. So bietet Kustermann heute alles in und um das Haus herum in ausgewählter Qualität und unübertroffener Fülle.

Die Firma Kustermann befindet sich heute in der siebten Familiengeneration. Wie noch wenige derartige Unternehmen in Deutschland ist die Firma Kustermann ein Vollsortimenter geblieben und bietet mit über 70.000 Artikeln die gesamte Angebotspalette der Branche. Circa 250 Mitarbeiter bemühen sich in dem Familienbetrieb mit viel Herz und traditionellem Gespür und trotzdem fortschrittlichem Geist, den hohen Erwartungen, die der Kunde setzt, auch im 21. Jahrhundert gerecht zu werden.