1798 erfolgte
die Gründung der Eisenwarenhandlung, aus der das heutige Kustermann
Fachgeschäft hervorging. Damals diente ein Geschäft am Oberen Anger der
Vermarktung von Sensen, Strohmessern, Schaufeln, Nägeln und ähnlichen Produkten,
die im kleinen Eisenhammerwerk Griesbauer in Antwort am Chiemsee hergestellt
wurden. Franz Seraph Kustermann, dessen Vater Simon Thaddäus nach München
gezogen war, ehelichte Therese Griesbauer und heiratete somit in jene
Hammerschmiede und zugehörigen Eisenhandel des Schwiegervaters ein. Die Ehe
blieb nicht ohne Kinder und auch nicht ohne berufliche Folgen für Franz Seraph.
1827 gab er die vom Vater Simon
übernommene Schuhmacherkonzession ab und widmete sich fortan - wie seine
Nachkommen bis in unsere Zeit - den Eisenwaren.
Filialgeschäfte und Eisen-Gießerei
1832 erhielt Franz Seraph eine
eigene Konzession als Eisenhändler. Bald darauf übergab ihm der Schwiegervater
Eisenwarengeschäft und Hammerwerk.
1849 übernahm Max
Kustermann, der Sohn von Franz Seraph und Therese Kustermann, das väterliche
Geschäft. Sein tatkräftiger Unternehmergeist bewirkte das schnelle Anwachsen
der Eisenwarenhandlung, die 1861
diversifizierte. Es wurden Fabrikationsbetriebe gegründet, eine
Stahlbauabteilung und eine Eisengießerei, ferner eine beträchtliche
Stahlhandelsabteilung und ein Brennstoff-Großhandel. Die Stahlbauabteilung
wirkte beim Bau einiger Brücken in München und beim Bau verschiedener Gebäude
wie beispielsweise der Stahlkonstruktion des Hauptbahnhofs nach dem zweiten
Weltkrieg mit.
Aus
der Eisengießerei, die übrigens durch eine der ersten Dampfmaschinen in München
energiebetrieben wurde, stammen zum Teil heute noch erhaltene Friedhofskreuze,
Inneneinrichtungen für Ställe, Treppen, gusseiserne Säulen, Öfen etc. Das
Fabrikgelände für die Eisengießerei und den Stahlbau wurde an der
Rosenheimerstraße mit direkter Gleisverbindung zum nahe gelegenen Ostbahnhof
angesiedelt. In dem riesigen, mehrere Hektar großen Gelände standen außerdem
die Wohnhäuser für die Familie Kustermann, die Ställe für die Zugpferde und
später die Garagen. Nach Auflösung der Fabrikationsbetriebe in der Mitte der
Siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts entstanden auf diesem Gelände Bürogebäude, genannt "Kustermann Park".
Fachgeschäfte für Werkzeuge und Haushalt in Münchens Innenstadt
1873 folgte der Erwerb der Passagenhäuser Rindermarkt 3 und Viktualienmarkt 8. Der Zukauf des Hauses Nr. 4 am Rindermarkt ließ das Geschäft zum heutigen Umfang anwachsen. Das wunderschöne Haus am Viktualienmarkt mit seiner Neu-Renaissance-Fassade aus rotem Marmor wurde im Auftrag von Max Kustermann von dem bekannten Architekten Albert Schmidt erbaut.
1892 errichtete Max, inzwischen
Kommerzienrat, an der Karlsstraße ein Einzelhandelsfilialgeschäft mit dem
gleichen Sortiment wie im Hauptgeschäft am Viktualienmarkt. Handel und
Eisengießerei florierten, und das Unternehmen wuchs unentwegt weiter. Max
Kustermann war Neuerungen gegenüber stets aufgeschlossen. Unter den ersten
Dutzend Telefonanschlüssen in München war sein Name. In dieser Zeit entstanden auch
die ersten Eisenwarenkataloge in Europa, gedruckt und gebunden in der betriebseigenen Werkstätte. Zur
Lieferung von Eisen und Brennstoffen unterhielt die Firma Kustermann einen
stattlichen Fuhrpark an schweren Rossen, der nach dem ersten Weltkrieg noch an
die 50 Pferde stark war. Daneben wurde früh ein Fuhrpark mit Autos angeschafft,
die der selbstbewusste Unternehmer feuerrot lackieren ließ.
Umgestaltung nach dem Krieg
Fortschritt und Tradition